Liebe Gemeinde,

die Vögel erwecken den Eindruck, eine Verwandlung durchgemacht zu haben. Sie lassen die letzten Verbindungen zum festhaltenden, eingrenzenden Zaun unter und hinter sich.

Diese befreienden Flügelschläge in eine grenzenlose Freiheit stehen zwischen dem Jetzt und dem Kommenden, dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, dem Dies- und dem Jenseits.

Wie so häufig, wenn man eine Idee hat, sich aufmacht, der Inspiration folgt und Dinge tut, die man vorher nie gedacht, vielleicht auch nie gewollt hat.

Was fällt Ihnen zuerst ins Auge: Der Zaun, oder die Vögel?

Für uns ein Bild, das fast automatisch den Blick nach oben führt und immer wieder die Perspektive wechseln lässt.

So, wie es mit Ideen wohl immer ist: Sie lassen uns abheben vom Bisherigen, entfalten eine ungeheure Kraft der Zuversicht, machen frei von bisherigen scheinbaren Begrenzungen.

Eine solche Idee war die Fusion, die wir mit diesem Gemeindebrief zum Abschluss bringen. Von ihrer Dimension her war das ein winziges Senfkorn, das vor gut 15 Jahren gesät wurde, und aus dem jetzt ein großer Baum wachsen kann (vgl. Mk 4,31-32). Wie alle Ideen wachsen die Gedanken immer größer und werden konkreter, bis sie – wie Flügel – das ganze Gewicht tragen. Und wenn man dann noch merkt, dass man auf diesem Weg nicht alleine ist, sondern die meisten Menschen positiv unterstützen und mitgehen, dann verleiht das die nötige Kraft, sich vom Bisherigen loszureißen, Grenzen, Bequemlichkeiten und Gewohntes hinter sich zu lassen, und abzuheben in eine ungebundene, verstrickungsfreie Lebenswelt, die offen ist für alles Mögliche.

Was trägt, ist die Luft und die Wärme, was bewegt, sind der Wind und die Flügelschläge. Ein solcher kraftvoller Aufwind waren die letzten Jahre. Nicht einfach, denn natürlich erfordert das Überwinden von Grenzen Mut, Entschlossenheit und vor allem eine positive Einstellung zur Veränderung. Als Christinnen und Christen fällt uns das aber nicht allzu schwer: wir dürfen mit so einer Haltung unser Leben gestalten. Gott hat uns seinen Heiligen Geist geschenkt, damit wir immer wieder neu sehen und denken können, frei werden von der Norm „ver-rückt-e“ Ideen entwickeln, die Welt damit zum Guten verändern und erneuern dürfen.

Dass das jetzt alles auch noch in die Advents- und Weihnachtszeit fällt, ist für uns kein Zufall – es ist der Sinn, dass Gott in die Welt kommt:

Den Zaun einreißen und daraus Flügel machen. Dieses geistige Beschenkt-Werden ändert die Perspektive, so dass neue Wege nicht als Last oder Bedrohung, sondern als Geschenk empfunden werden. Deshalb sind wir „be-geist-ert“ von dem neuen gemeinsamen Weg unserer Gemeinden, danken allen für ihr Mitdenken, Mitbeten und Mittun und freuen uns auf die nächsten Begegnungen.

Eine gesegnete und besinnliche Zeit wünschen Ihnen Ihre

 

Pfarrer Dr. Martin Weber und Pfarrerin Sabine Arzberger 

 

weber arzberger